Exklusives Interview mit Doktor Clements, ehemaliger Augenarzt der SOLE Boa Vista-Klinik in Benguela, Angola
Die Fondation CBM Luxembourg hat im Januar 2026 eine neue Partnerschaft mit der SOLE Boa Vista-Klinik geschlossen. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt im Jahr 2025 hat CBM eine längerfristige Zusammenarbeit mit der Klinik aufgebaut, die die Unterstützung in mehreren Schlüsselbereichen der Augengesundheit umfasst.
In Benguela, etwa 500 km von der Hauptstadt Luanda entfernt, führt SOLE Boa Vista jährlich mehr als 3.000 Kataraktoperationen durch, von denen rund 25 % aus seinem Outreach-Programm stammen, bei dem medizinisches Personal ländliche Provinzen besucht. Im Rahmen dieser Einsätze, reisen die Teams in abgelegene Gebiete und bieten Screenings sowie Operationen an, sodass Menschen Zugang zu Behandlungen erhalten, ohne nach Benguela reisen zu müssen.
Dr. John Clements ist ein langjähriger Mentor von CBM Luxembourg. Er lebt in Portland, USA, war mehrere Jahre in Boa Vista tätig und fungiert als Berater der Klinik. Wir sprachen mit ihm über die Zusammenarbeit von CBM mit Boa Vista, sowie über deren Auswirkungen für die Menschen in Angola.
1. Herr Dr. Clements, vielen Dank, dass Sie sich zu diesem Interview bereit erklärt haben. Können Sie uns ein wenig darüber erzählen, was Sie dazu bewogen hat, in Angola zu arbeiten und anschließend den Kontakt aufrechtzuerhalten?
Meine Frau und ich verspürten beide eine besondere Berufung zur internationalen Missionsarbeit, und so begann ich mein Medizinstudium mit dem Ziel, als Missionsaugenarzt tätig zu werden. Neun Jahre später schloss ich gerade mein Fellowship an der Harvard Medical School ab, als meine Frau Lori mich fragte, ob ich es ernst meine, als Missionsarzt zu leben. Es war keine leichte Entscheidung, da sich mir viele andere Möglichkeiten boten, aber ich blieb meiner ursprünglichen Berufung treu. Wir nahmen Kontakt zu einigen Organisationen auf und stießen auf die SOLE Boa Vista-Klinik, die einen Vollzeit-Augenarzt suchte. Zwischen 2011 und 2014 lebten wir mit unseren drei kleinen Kindern und arbeiteten in Angola , ohne das Land zuvor jemals besucht zu haben.

Zwischen 2011 und 2014 lebten wir mit unseren drei kleinen Kindern in Angola und arbeiteten dort, ohne jemals zuvor dort gewesen zu sein. Während dieser Zeit, richteten wir in Boa Vista das erste Ausbildungsprogramm für Kataraktchirurgen ein. Zudem, führte ich etwa 9.000 Operationen durch und bildete etwa 20 Augenpflegekräfte aus. Es war eine sehr schwierige, herausfordernde, aber dennoch lohnende Arbeit. Im Jahr 2014 ergab sich eine Gelegenheit am Casey Eye Institute der Oregon Health Science University (OHSU) (einem bedeutenden akademischen Zentrum an der Westküste der Vereinigten Staaten) zu arbeiten. Ich war auf Schwierigkeiten gestoßen, die mit meinem Status als „Missionsarzt“ ohne akademische Ressourcen oder Ansehen zusammenhingen. Daher nahm ich die Stelle an der OHSU an, in der Hoffnung, dass mir eine Professur an einem bedeutenden akademischen Zentrum neue Möglichkeiten für internationale Arbeit eröffnen würde. In diesem Zusammenhang bin ich als Berater tätig und besuche Angola ein- bis zweimal jährlich.
2. Erzählen Sie uns mehr über die SOLE Boa Vista-Klinik. Warum ist deren Aufklärungsarbeit in Angola so wichtig?
Angola ist ein Land mit ≈39 Millionen Einwohnern. Als Boa Vista Anfang der 1990er Jahre gegründet wurde, war es die einzige Klinik im ganzen Land, die hochwertige Kataraktoperationen zu einem für die breite Bevölkerung erschwinglichen Preis anbot. In Angola gibt es große soziale Ungleichheiten: Die wenigen Reichen können sich in Privatkliniken eine sehr gute medizinische Versorgung leisten, doch diese ist extrem teuer und für die Mehrheit der Bevölkerung unerschwinglich. Boa Vista baute ein Netzwerk aus Kirchen mit angeschlossenen Gesundheitszentren auf, in denen Boa Vista Krankenschwestern ausbilden und stationieren konnte, um Menschen mit zur Erblindung führendem Grauen Star zu diagnostizieren. Patienten, die die Mittel hatten zur Hauptklinik in Benguela zu reisen, konnten sich dort einer Kataraktoperation unterziehen. Für diejenigen, die nicht reisen konnten, stellten die Krankenschwestern eine Liste der Patienten zusammen, und Boa Vista entsandte ein mobiles Team, um die Kataraktoperationen durchzuführen. Diese Arbeit war entscheidend für den Kampf gegen vermeidbare Erblindung in Angola.
Die Rate der Kataraktoperationen in Angola ist im Vergleich zu westlichen Ländern sehr niedrig; in den Vereinigten Staaten werden jährlich 20-mal so viele Kataraktoperationen durchgeführt wie in den meisten Ländern Subsahara-Afrikas. Dafür gibt es viele Gründe, doch einer davon ist sicherlich die zu geringe Anzahl der ausgebildeten Kataraktchirurgen. In Ländern mit hohem Einkommen kommen auf eine Million Einwohner etwa 76 Augenärzte; in Ländern mit niedrigem Einkommen wie Angola sind es hingegen nur vier Augenärzte pro Million Einwohner: ein erschreckendes Gefälle. Boa Vista arbeitet im Rahmen einer Partnerschaft daran, indem es Fachkräfte für Augenheilkunde ausbildet.

3. CBM Luxembourg finanziert die Grundausbildung für zehn ophthalmologischen Pflegekräften bei SOLE Boa Vista. Warum ist diese Ausbildung wichtig, und welches Problem hilft sie zu lösen?
Aufgrund des großen Mangels an Augenärzten in Angola gibt es enorm viel zu tun, um den Bedarf des Landes im Bereich der Augenheilkunde zu decken. Die Ausbildung von Fachkräften auf mittlerer Ebene, also von Pflegekräften, trägt dazu bei, die grundlegenden Bedürfnisse in der Augenversorgung zu erfüllen. Diese Fachkräfte können einfache augenmedizinische Untersuchungen durchführen, einfache Erkrankungen behandeln und Erkrankungen diagnostizieren, die zur Operation oder für eine weiterführende medizinische Versorgung an Spezialisten überwiesen werden müssen.

4. CBM hat für SOLE Boa Vista ein neues Mikroskop von EyeMobil Innovations angeschafft, das in der Klinik zum Einsatz kommen soll. Inwiefern wird es helfen?
Nachdem in Boa Vista einige Jahre lang keine regelmäßigen Fortbildungen für Ärzte im Bereich der Kataraktchirurgie stattgefunden hatten, ist Boa Vista nun eine Partnerschaft mit dem örtlichen staatlichen Krankenhaus eingegangen, das über ein akademisches Ausbildungsprogramm verfügt. Das staatliche Krankenhaus leistet gute akademische Arbeit, hat jedoch Schwierigkeiten, eine angemessene chirurgische Ausbildung anzubieten – ein Bereich, in dem Boa Vista sehr gut ist. Daher absolvieren die Auszubildenden des staatlichen Krankenhauses ihre chirurgische Ausbildung bei Boa Vista.

Das neue Mikroskop wird die Bedingungen bei Boa Vista für die Vermittlung der Kataraktchirurgie verbessern, da es über ein Visualisierungssystem mit einem „Lehrmodus“ verfügt, der es dem chirurgischen Ausbilder ermöglicht, genau das zu sehen, was der angehende Chirurg in diesem Moment sieht. Dieses neue Mikroskop verfügt zudem über ein Videoaufzeichnungssystem, mit dem Operationen aufgezeichnet werden, sodass die Auszubildenden ihre eigenen Eingriffe ansehen können und die Ausbilder eventuelle Fehler, die während der Operation aufgetreten sind, im Nachhinein korrigieren können. Dies ist in Ausbildungsprogrammen in Ländern mit hohem Einkommen gängige Praxis, wird in Angola jedoch noch nicht angewendet.
5. CBM Luxembourg hat eine dreijährige Absichtserklärung zur Zusammenarbeit mit und zur Unterstützung von SOLE Boa Vista unterzeichnet. Könnten Sie uns Ihre Gedanken zu dieser Zusammenarbeit und den Zukunftsaussichten mitteilen?
Diese Zusammenarbeit ist für Boa Vista von entscheidender Bedeutung. Die Ausbildung der zukünftigen Fachkräfte in der Augenheilkunde (Krankenpfleger und Chirurgen) ist für die Zukunft der Augenversorgung in Angola unerlässlich, verursacht jedoch Kosten, die Boa Vista allein nicht tragen könnte. Durch die Subventionierung der Ausbildungskosten wird vielen angolanischen Krankenpfleger, die sich einen solchen Kurs aus eigenen Mitteln möglicherweise nicht leisten könnten, der Zugang erleichtert. Lehrmaterialien für die Chirurgie, wie beispielsweise Mikroskope, sind sehr teuer, und Partnerschaften mit CBM tragen dazu bei, diese Materialien bereitzustellen, die sich Boa Vista sonst nicht leisten könnte.

Vielen Dank, Dr. Clements, dass Sie sich die Zeit für diesen Artikel genommen haben. Und vielen Dank für Ihr langjähriges Engagement, den Menschen in Angola das Augenlicht zurückzugeben und CBM Luxembourg bei ihrer Mission zu unterstützen.